Josepha Anna Maria Selhorst

Künstlerin, Kunstpädagogin, Missionarin, Ordensschwester


Zur Person

geboren: 20.12.1914 in Rietberg
gestorben: 11.6.2001 in Aarle-Rixtel, Beek-en-Donk, NL
beerdigt:Missiekloostr Heilig Bloed, Aarle-Rixel Weitere Namensform: Sr. M. Pientia
Konfession: katholisch
Mutter: Anna Selhorst, geb. Büsing
Vater: Hermann Selhorst
Geschwister: Prof. Dr. Stephan Selhorst; Gertrud Grunenberg, geb. Selhorst; Mia Selhorst, Sr. M. Dominica; Berhard Selhorst; Walburga Selhorst; Irmgard Ewer, geb. Selhorst; Thea Behre, geb. Selhorst; Franz Selhorst

Biographie

Pientia Selhorst (CPS) (* 20. Dezember 1914 in Rietberg, Westfalen; † 11. Juni 2001 Missieklooster Heilig Bloed Aarle-Rixtel, Beek-en-Donk, Niederlande) Ihr Taufname/bürgerlicher Name war Josepha Anna Maria, genannt Sefchen. Sie war eine deutsche Künstlerin, Missionarin (Sr. Maria Pientia, Sr. M. Pientia Selhorst bzw. Sister Mary Pientia, CPS) und Kunstpädagogin, die in Südafrika tätig war und als &quot;one of South Africa's leading religious artists&quot; genannt wird (The Southern Cross. Southern Africa's Catholic Weekly, Year-end Review 2001). Sr. Pientia Selhorst war die älteste Tochter des Kunstschreiners und Leiters einer Werkstatt für Christliche Kunst, Hermann Selhorst. Sie besuchte von 1931 bis 1933 die Klosterschule Neuenbeken, legte dort ihr Abitur ab und wurde Mitglied der Mariannhiller Missionsschwestern vom Kostbaren Blut (CPS) im Missionshaus/Provinzialat Neuenbeken/Paderborn. Bei ihrer Profess 1936 erhielt sie den Namen Sr. Maria Pientia, Spitzname und Signatur Pin. 1938 wurde sie nach Mariannhill/Südafrika entsandt und studierte von 1941 bis 1947 bei der Malerin und Professorin Rosa Somerville Hope, Senior Lecturer in Fine Art an der University of Natal, Pietermaritzburg. Sie schloss ihr Studium mit dem Bachelor of Fine Arts ab. Mit Miss Hope als ihrer Freundin brach sie zu zahlreichen Studienreisen nach Europa auf. Zur Spezialisierung auf die Gestaltung von Glasfenstern in Kirchen konnte sie sich an der Kunstakademie Düsseldorf (1956/1957) unter ihrem Förderer, dem gerade nach Düsseldorf berufenen Professor für Glasmalerei Georg Meistermann, in dessen Klasse für Monumentalmalerei (für Kirchenraum-Flächen) weiter ausbilden lassen. Sie hatte aber auch Kontakt zum Mitstudenten Gotthard Graubner und erfuhr durch ihn eine Hinwendung zum Konstruktivismus und der Zweidimensionalität der Fläche. Sie arbeitete als Art Lecturer am St. Francis College des Ordens in Mariannhill/ Durban/ Natal (jetzt Mariannhill Secondary Independent School), das von ihrer jüngeren Schwester, Maria Selhorst, Ordensname Sr. M. Dominica, geleitet wurde. 1981 verließ Sr. Pientia Mariannhill, um in Europa zu wirken und ihr Kunstprojekt zu vermitteln. In ihrer Tätigkeit als Kunstpädagogin eröffnete sie ein Studio mit Kunstwerkstätten für Malerei und Mosaik. Dabei übersetzte sie das Leitmotiv des Zweiten Vaticanums, das Aggiornamento, als Öffnung der Kirche für diese Welt vor allem in Liturgie und äußerer Erscheinung, in ein durch intrinsische Motivation und Faszination als „mystical approach“ (Selhorst, nach Leeb-du Toit) gefasstes Kunstprinzip der Enkulturation („a form of ‚acculturated primitivism‘“, Leeb-du Toit). Gemeint war damit die Förderung der Kunst der Schwarzen in ihren diversen Stämmen im Kontext des bunten Vielvölkerstaates Südafrika („cross-cultural imperatives of inculturation“, Macdonald; „mysterious and elusive Africanness“, Macdonald). Ziel war die Entwicklung einer christlichen Kunst und Symbolik, die auf der Grundlage der Bedeutung der afrikanischen Masken für die Moderne Kunst, vor allem bei Picasso, das „Primitive“ als Abstraktion und Inspiration des Kubismus würdigt („Negro art“, „Picasso Primitif“, Exposition 2017) und weiterentwickelt („a more syncretic, authentically ‚African‘ expression of Christianity“, „Zulu Christian iconography“, Leeb-du Toit). In ihrem eigenen Kunstschaffen, vor allem ihren Porträts in Kreide bzw. in Öl mit schwarzen Konturen, akzentuierte sie in europäischen Gesichtern negroide Gesichtszüge und parallel dazu in den Gesichtern der Schwarzen eine hermaphroditische Schönheit, die auch die europäischen Betrachter als Ästhetik ergreifen. Dazu verwandte sie als Medium den Linolschnitt, durch den bei schwarzem Hintergrund die Konturen weiß heraustreten, wie in einem Vexierbild der Schwarz-Weiß-Kontrast variabel wird, eine Formaussage hinsichtlich der Doppelperspektivik auf den Menschen und ein Gleichnis der Ebenbürtigkeit. In dem von Apartheid geprägten südafrikanischen Umfeld, aber auch in den Strukturen der Gemeinschaft der europäischen Missionare und dem unhinterfragten Import konventioneller Kirchenkunst war dies eine Herausforderung. Der Kirchenbau wurde zugunsten der vor allem im südlichen Afrika traditionellen Kral-Architektur in Rundbau als Form des gemeinschaftlichen Lebens verändert (exemplarisch der Grundriss der Church of the Holy Cross, McKay’s Nek Transkei, in F. Harmsen, S. 3), ebenso die Gestaltung der Christus-, Madonnen-, Heiligen- und Engel-Figuren als Schwarze sowie der Kreuzweg-Stationen als solidarisches Mitleiden auf dem Leidensweg der schwarzen Bevölkerung. Ihr Stil wird beschrieben als „symbolhaft, eindrucksvoll und farbkräftig“ (Balling, 2015) Sie griff auch Holzdrucktechniken der Schwarzen auf und transformierte profane wie religiöse Motive ins Serielle, ein Fries mit Mäander-Mustern, eine Iteration und Lebenswelteinbettung im Sinne der Benediktinischen Ordensregel Ora et labora. Hier wird Selhorsts These von der Komplementarität „Werkkunst = Kunstwerk“ explizit, die sie ins Interkulturelle erweitert, von der „neglected tradition“ der südafrikanischen schwarzen Künstler zu ihrer Integration in die zu schreibende Welt-Kunst-Geschichte („a cross-cultural African sacred art was developed“, Nieder, S. 96; „the advancement of both secular and liturgical art“, Leeb-du Toit, 2003, p. 95). Sr. Pientias Bilder sind in südafrikanischen öffentlichen Gebäuden ebenso präsent wie in Kirchen und Missionshäusern, ebenso die Werke ihrer Schüler. Ihre berühmtesten Schüler sind Duke (Ellington Sipho) Ketye, Joseph Dlamini, Michael Mbebe, Rosina Qwalana und Frans (Franz) Hodi. P. Selhorst arbeitete zusammen mit Professor John Watt (Jack) Grossert mit dem Auftrag „introducing Arts and Crafts as a subject in the Bantu Education curriculum“ (1959). Die Ergebnisse ihrer Arbeit sind auch dokumentiert im Killie Campbell Africana Museum, Durban, und der Campbell Collection. Eine logische Weiterführung des ästhetisch-spirituellen künstlerischen Schaffens von Sr. Pientia ist das Werk Dina Cormicks. Die Ordensfrau war auch ordenspolitisch als historisch-hermeneutische Erforscherin der benediktinisch-zisterziensischen Missionsmethode tätig. Sie wurde von der Generalleitung der Missionare von Mariannhill 1972 in deren Generalat in Rom berufen, um diesen Ort im Geist des Ordensgründers Abt Franz Pfanners zu gestalten, aber auch dessen Bezug auf die Ordensgründer St. Benedikt und St. Bernhard von Clairvaux darzulegen. Sr. Pientia gelang dies nach dem Zeugnis zahlreicher Missionarinnen und Missionare sowohl auf spiritueller Ebene wie im künstlerischen Ausdruck. Sie richtete in diesem Sinne auch zahlreiche Missionsmuseen als Dokumentation der Tätigkeiten ein bzw. gestaltete die Lebens- und Arbeitsräume der Missionarinnen und Missionare in deren Häusern insgesamt in einer spirituell-künstlerischen Gesamtform. <br />

Werke

Alter Mönch aus Mariannhill (1949); Europäische Kinder (1949); Zulumädchen aus Mariannhill (1949); Inder-Mädchen oder Verkündigung (1949); Märtyrer von Uganda (Vatikan 1950); Poudo-Zauberin (1950); Wohin gehen wir? (Paris 1954, Privatsammlung); Masken (Bewerbung für die Kunstakademie Düsseldorf 1956); Bamboo Mountain Drakensberg (1968) Kimberley: Arbeiterwohnungen der Diamantensucher (1968); Adam leaves the Garden of Eden; Kreuzwege (nach F. Harmsen, 1989)

Literatur

Adalbert Ludwig Balling: In Dankbarkeit und Freude, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2015, S.251f. ISBN 978-3-95744-537-7; John Baur: Christus kommt nach Afrika: 2000 Jahre Christentum auf dem Schwarzen Kontinent. Übersetzung Brigitte Muth-Oelschner, Academic Press Fribourg Suisse/ Freiburg/ Schweiz: Paulus Verlag/ Stuttgart: Kohlhammer Verlag 2006, S. 401; Esmé Berman: Art &amp; Artists of South Africa: An Illustrated Biographical Dictionary and Historical Survey of Painters, Sculptors &amp; Graphic Artists Since 1875, Cape Town: A A Balkema 2. ed. 1983 (1970), S. 418f.; Barry Comber: Mariannhill’s Shrine to a Controversial Nun. In Sister Mary Pientia Selhorst CPS's Mariannhill, Natal art studio everything lies today as it did when she left for Europe in 1980 for a series of mission art exhibition, Sunday Times Colour Magazine, 28. Juni 1987 (Rubrik „Art and Religion“); Dina Cormick: Bernard Gcwensa and Ruben Xulu. Christian artists of Natal. Pretoria: Academia 1993.; Frieda Harmsen: The Way to Easter. Stations of the Cross in South Africa, Pretoria; Joan Lötter Publications 1989 ISBN 0-620-12831-3 (vor allem, S.5, 22f., 35, 51, 54f., 85f. mit kunsttheoretischem Konzept in einem Brief an F. Harmsen vom 4. Juni 1985 sowie dem Verzeichnis aller von P. Selhorst zwischen 1952 und 1960 gestalteten Kreuzwege); Sandra Lynne Hayashida: Mission and the Visual Expression of the Gospel in the Sculpture of Jackson Hlungwani, for the degree of Master of Theology in the subject Missiology at the University of South Africa, 2000 (http://uir.unisa.ac.za/bitstream/handle/10500/16920/dissertation_hayashida_sl.pdf?sequence=1); Philippa Hobbs, Elizabeth Rankin: Printmaking: In a Transforming South Africa, David Phillips Publishers [David Krut Distribution] 1997.;

Quellen

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Zitierweise

Dr. Maria Behre: Josepha Anna Maria Selhorst. In: Westfälische Biographien, hrsg. von Altertumsverein Paderborn und Verein für Geschichte Paderborn. Online-Ausgabe unter http://www.westfälische-biographien.de/biographien/person/1992 (Version vom 14.07.2017, abgerufen am 21.08.2017)