Westfälische Biographien




Dr. rer. pol. Heinrich Vockel

Politiker

✽ 14. Juni 1892 in Schloss Neuhaus
✝ 22. januar 1968 in Berlin
Friedhof Dahlem

Druckversion der Biographie

Heinrich Vockel wurde am 14. Juni 1892 geboren und wuchs auf dem Thunemeierhof nahe Schloss Neuhaus auf. Er besuchte die dortige Volksschule und anschließend das Paderborner Gymnasium Theodorianum, wo er 1912 das Abitur bestand. Er begann daraufhin Landwirtschaft und Nationalökonomie in Münster, Berlin und München zu studieren, musste seine Studien jedoch wegen seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg unterbrechen. Von 1914-1918 diente er in einem Infanterie-Regiment, wobei er schwer verwundet wurde und sein rechtes Auge verlor. Da seine älteren Brüder alle gestorben waren, musste Vockel sich nach dem Krieg entscheiden, ob er den elterlichen Hof übernehmen oder wieder studieren gehen sollte. Er wählte das Studium und schloss es 1920 mit der Promotion zum Dr. rer. pol. ab, während seine Schwester Katharina und ihr Mann den Hof übernahmen. Nach dem Studium begann Vockel sich politisch in der Zentrumspartei zu engagieren, deren Generalsekretär er nach zwei Jahren wurde. Von 1930-1933 war er außerdem ihr Reichstagsabgeordneter. Nach der Auflösung seiner Partei wurde er Volontär beim Hertie-Konzern, wo er nach zwei Jahren bereits zum Geschäftsleiter in Berlin avancierte. Er verbrachte die gesamte Zeit des NS-Regimes bei dem Konzern. Während dieser Zeit engagierte er sich auch stark für den Wiederaufbau des 1943 vollkommen ausgebrannten KaDeWe. 1944 wurde Vockel im Zuge der „Aktion Gitter/Gewitter“ festgenommen und kurzzeitig im Polizeigefängnis Berlin-Alexanderplatz inhaftiert, jedoch bereits nach acht Tagen wieder freigelassen. Im Zweiten Weltkrieg verloren er und seine Frau Hedwig geb. Schneiderwirth außerdem ihr einziges Kind, einen Sohn, der als Oberleutnant zur See kurz vor Kriegsende sein Leben ließ. Von diesem Schlag erholte sich die Familie nie ganz. Nach dem Krieg wurde Vockel eines der Gründungsmitglieder der Berliner CDU sowie der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin, deren katholischer Vorsitzender er auch bis 1965 war. 1950 wurde er von Bundeskanzler Adenauer zum ersten Bevollmächtigten der Bundesrepublik Deutschland ernannt. Er bekleidete dieses Amt bis zum 30. Juni 1962 und galt als „zäh und wortkarg“, aber mit einem westfälischen Dickkopf, den er durchaus durchzusetzen wusste. Unter anderem mit der Ernst-Reuter-Plakette in Silber und der Ehrenbürgerschaft der Stadt Schloss Neuhaus hochgeehrt verstarb Vockel am 22. Januar 1968 in Berlin. Sein als Ehrengrab des Landes Berlin anerkanntes Grab befindet sich auf dem Friedhof Dahlem.


Zur Person

Konfession: katholisch

Mutter: Maria Vockel

Vater: Ignatz Vockel

Geschwister: Konrad Vockel, Katharina Benteler (geb. Vockel)

Ehen: Hedwig Schneiderwirth

Kinder: Ein als Oberleutnant zur See im Zweiten Weltkrieg gefallener Sohn

Quellen

Gaidt, Andreas (2012): „Der Nachlass Dr. Heinrich Vockel beim Heimatverein Schloß Neuhaus“. In: Die Warte e.V. Paderborn-Höxter (Hrsg.): die warte. Heimatzeitschrift für die Kreise Paderborn und Höxter. 73. Jahrgang / Nr. 156. Weihnachten 2012. S. 28f.

Empfohlene Zitierweise

N.N.: Dr. rer. pol. Heinrich Vockel. In: Westfälische Biographien, hrsg. von Altertumsverein Paderborn und Verein für Geschichte Paderborn. Online-Ausgabe unter http://www.westfälische-biographien.de/biographien/person/2035 (Version vom 20.04.2018, abgerufen am 19.07.2018)

Die beteiligten Vereine

Die Westfälische Biographien werden Ihnen präsentiert von:

Neue Biographien

Schauen Sie sich unsere neusten Biographien an...

Weiterführende Informationen

Startpunkte für die tiefere Auseinander-setzung mit der Geschichte Westfalens.