Westfälische Biographien




Anton Spieker

Vikar

✽ 05. Februar 1880 in Lütmarsen
✝ 09. März 1941 in Bochum
Espeln

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Als jüngstes Kind des Landwirts Karl Josef Spieker und seiner Frau Elisabeth Theresia Kirchhoff am 05. Februar 1880 in Lütmarsen geboren, schlug Anton Spieker zunächst einen weltlichen Weg ein. So besuchte er die Volksschule und anschließend das König-Wilhelm-Gymnasium, das er mit der mittleren Reife abschloss. Dann begann er eine Ausbildung an der Baugewerbeschule in Höxter, die durch einen zweijährigen Wehrdienst unterbrochen wurde. Nach dem Wehrdienst begann er als Maurer zu arbeiten, beschloss aber bald eine geistliche Laufbahn einzuschlagen. Er bewarb sich bei der Missionsschule der Kongregation der Missionare von der Hl. Familie, die Spätberufenen förderte und wurde 1906 dort aufgenommen. Spieker trat der Kongregation bei und empfing am 15. August 1912 die Priesterweihe. Ein Jahr später wurde er nach Basel gesandt, wo er während des Ersten Weltkriegs als Seelsorger in einem Internierungslager arbeitete, wofür ihm 1919 die Rote-Kreuz-Medaille verliehen wurde. Bis 1923 blieb Spieker in der Schweiz, dann trat er aus der Kongregation aus und bat um eine Anstellung im Bistum Paderborn als Weltpriester. In den Jahren 1924 bis 1926 wirkte er daraufhin als Vertretung in Altenrüthen, Mengelrose und Niederorschel, wurde dann 1927 in den Diözesanklerus aufgenommen und erhielt Vikarstellen in Gelsenkirchen-Ückendorf, Siegen-Walpersdorf und schließlich 1931 in der Gemeinde Sundern-Hövel. Dort kam es nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten auch zu ersten Konflikten zwischen Spieker und der NSDAP und ihren Anhängern. Der Vikar setzte sich gegen die Beeinflussung der Kinder durch nationalsozialistische Lehrkräfte ein, weshalb bald sowohl die kirchliche als auch die politische Gemeinde des Ortes sich beim Generalvikariat über ihn beschwerte und um seine sofortige Versetzung ersuchte. In dieser Zeit wurde Spieker auch vom Amtsgericht Arnsberg zu einer Geldstrafe verurteilt, nachdem er einen den Gottesdienst störenden Schüler gezüchtigt hatte. Daraufhin wurde er 1934 in die kleine Gemeinde Hövelhof-Espeln versetzt. Aber auch hier kam es immer wieder zu Konflikten zwischen den Anhängern der Nationalsozialisten und dem Vikar. Aufgrund seiner offenen Meinungsäußerungen gegen das NS-Regime wurde 1936 Strafanzeige wegen „staatsfeindlicher Äußerungen“ gegen ihn erstattet, doch das Verfahren musste 1937 aus Mangel an Beweisen eingestellt werden. Dennoch sprach die Gestapo Spieker gegenüber am 22. April 1937 eine Verwarnung aus und ließ ihn in den folgenden Jahren weiterhin beobachten. Der Vikar sprach sich im Bezug auf die Erziehung der Kinder und Jugendlichen seiner Gemeinde immer wieder gegen die Hitlerjugend und deren Unterorganisationen aus, besonders wenn deren Aktivitäten sich zeitlich mit dem Religionsunterricht und den Gottesdienstzeiten überschnitten. So war Spieker laut DJ-Führung (der Führung des Dienst im Deutschen Jugendvolk) der Meinung, dass religiöse Belange von höherer Wichtigkeit waren und den Vorrang haben sollten, weshalb es zwischen ihm und den DJ- und HJ-Führern mehrfach zu Auseinandersetzungen kam. Er vertrat diese Meinung auch während seiner Gottesdienste, in denen er gegenüber den Eltern in seinen Predigten die Wichtigkeit der religiösen Erziehung ihrer Kinder betonte. Verhaftet wurde Spieker schließlich 1940, weil er das von Hitler verlangte Siegesgeläut, das an drei Tagen stattfinden sollte, zunächst aus Unkenntnis und dann nur mit der kleinsten seiner Kirchenglocken ausführte. Dieses Mal wurde er, anders als 1936, von der Gestapo verhaftet und am 26. Juni 1940 in das Gerichtsgefängnis Paderborn gebracht. Fünf Monate später, am 27. November, wurde wegen mehrerer Anschuldigungen Anklage im Sinne des Heimtückegesetzes von 1934 gegen ihn erhoben. Am 17. Dezember wurde Spieker daraufhin zu einer Haftstrafe von insgesamt zehn Monaten verurteilt, für die er ins Zentralgefängnis in Bochum gebracht wurde. Seine Untersuchungshaft von fünf Monaten und 27 Tagen wurden ihm angerechnet. Einen Monat vor seiner Entlassung verstarb der Vikar am 9. März 1941, sein Leichnam wurde nach Espeln überführt und liegt dort begraben. Die Umstände seines Todes sind nicht genau geklärt. Einige Quellen sprechen von einem Schlaganfall oder Herzinfarkt, andere behaupten, er sei bei einem Luftangriff auf das Gefängnis umgekommen, auf den es jedoch keine weiteren Hinweise gibt. Auch ist die Frage, ob Spiekers Tod gewaltsam herbeigeführt wurde oder natürliche Ursachen hatte, nicht abschließend geklärt. So behaupten einige seiner Angehörigen, dass sein Körper Hämatome aufwies, die auf körperliche Misshandlungen schließen lassen könnten. Es könnte sich allerdings auch um Totenflecken gehandelt haben. Die Sterbeurkunde des Vikars gibt jedenfalls „Asthma, Ateriosklerose und Gehirnblutungen“ als Todesursache an. Spieker ist der einzige der während der NS-Zeit inhaftierten Priester des Erzbistums Paderborn, der in der Haft verstarb.


Zur Person

Konfession: katholisch

Mutter: Elisabeth Theresia Kirchhoff

Vater: Karl Josef Spieker

Geschwister: 5 Geschwister

Quellen

Möhring, Peter (2013): „Vikar Anton Spieker (1880-1941): Ein Opfer der NS-Justiz aus Espeln“. In: Die Warte e.V. Paderborn-Höxter (Hrsg.): die warte. Heimatzeitschrift für die Kreise Paderborn und Höxter. 74. Jahrgang / Nr. 159. Herbst 2013. S. 14-18.

Empfohlene Zitierweise

N.N.: Anton Spieker. In: Westfälische Biographien, hrsg. von Altertumsverein Paderborn und Verein für Geschichte Paderborn. Online-Ausgabe unter http://www.westfälische-biographien.de/biographien/person/2057 (Version vom 08.01.2019, abgerufen am 25.03.2019)

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