Westfälische Biographien




Maria Therese Litto

Tänzerin, Schauspielerin

✽ 09. September 1919 in Ovenhausen
✝ 25. Oktober 1996 in Hamburg
Familiengrab, Höxter

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Am 09. September 1919 wurde Maria Therese Litto in Ovenhausen bei Höxter als erstes Kind des Kellners Ludwig Litto und dessen Frau Wilhelmine geb. Walter geboren. Ein Jahr nach ihrer Geburt zog die Familie nach Essen, wo ihr Vater eine Gaststätte übernahm und ihre jüngere Schwester Johanna Mathilde Litto sowie der jüngere Bruder Hans Ludwig Litto geboren wurden. Der Bruder verstarb jedoch bereits wenige Monate nach seiner Geburt. 1927 zog die Familie zurück nach Höxter, wo Litto ihre Schulbildung in dem von den Schwestern der Christlichen Liebe geführten „Haus Nazareth“ erhielt. Schon in dieser Zeit wurde ihr tänzerisches Interesse durch eine Angestellte im Gasthaus ihrer Eltern geweckt. Während sie nach Abschluss der Volksschule das Mädchenlyzeum in Holzminden besuchte, nahm sie deshalb in der Tanzschule Sacha Carus ihre ersten Ballettstunden. Obwohl sie eigentlich mit 16 Jahren schon viel zu alt für Ballett war, bescheinigte ihr Tanzlehrer großes Talent. Um sie weiter zu fördern schenkten ihre Eltern ihr zum 18. Geburtstag eine Ausbildung in der renommierten Folkwangschule in Essen, die sie von 1937-1939 besuchte. Es folgte ihre erste Anstellung im Stadttheater in Wuppertal, wo sie zwei Jahre lang tätig war, bevor sie kriegsdienstverpflichtet wurde. Ob sie wirklich bei Siemens Kriegsdienst geleistet hat ist jedoch fragwürdig, da sie 1941-1944 in Berlin zur Solotänzerin ausgebildet wurde und anschließend als Primaballerina im Opernhaus Berlin arbeitete. In den 1940er Jahren ergatterte sie außerdem einige kleine Filmrollen als Statistin, beispielsweise in Heinz Rühmanns „Die Feuerzangenbowle“. Am 21. April 1945 heiratete sie den an der Berliner Charité tätigen Mediziner Heinz Elimar Erzinger. Nach dem Krieg baute Litto ihre Karriere weiter aus. So tanzte sie im Faust-Ballett „Abraxas“ von Werner Egk, das 1948 für einen Skandal sorgte, als es nach nur fünf Aufführungen an der Bayerischen Staatsoper wegen Obszönität abgesetzt, in Berlin jedoch gefeiert wurde. Durch ihre Performance in diesem Stück schaffte sie es sogar auf das Titelbild der amerikanischen „Life“. 1950 spielte sie außerdem zwei größere Rollen in Filmen, bevor sie von dem Regisseur und Produzent Rolf Meyer, der viele berühmte Schauspieler an sich zu binden wusste engagiert wurde. Unter anderem spielte sie an der Seite von Marika Rökk in „Sensation in San Remo“ und Johannes Heesters „Professor Nachtfalter“. Ihre Ehe mit Erzinger wurde am 09. Oktober 1951 geschieden, die Eheleute waren laut Bekannten zu unterschiedlich. Knapp einen Monat nach der Scheidung wurde Litto zusammen mit Rolf Meyer bei einem Autounfall schwer verletzt. Sie erlitt einen Beckenriss und einen dreifachen Kieferbruch und man ging davon aus, dass ihre Karriere damit beendet wäre. Doch durch Fleiß und Training schaffte sie es bereits 1952 sich zurück ins Rampenlicht zu kämpfen und weitere Filme zu drehen. 1954 wurde sie für mehrere Monate als Primaballerina der Hamburgischen Staatsoper verpflichtet, worüber sie sich sehr freute, da ihr Herz trotz der erfolgreichen Filmkarriere immer noch am stärksten für den Tanz schlug. Auch für Werner Egks Oper „Irische Legende“ wurde sie engagiert und lernte den Tänzer und Choreographen Heinz Schmiedel kennen. Neben einer intensiven Arbeitsbeziehung entstand zwischen den beiden auch eine Liebesbeziehung, die Hochzeit folgte am 30. Juni 1958. In den 1960er Jahren spielte Litto neben ihren Engagements als Tänzerin weiter in einer Reihe von Filmen mit, jedoch nicht mehr mit dem Erfolg ihrer früheren Jahre. Stattdessen widmeten sie und ihr Mann sich nach und nach mehr Filmen, die als Fernsehproduktion gedacht waren und nicht mehr für die Kinos. Gemeinsam wurde sie auch von der Metropolitan Oper in New York angefragt, Schmiedel zog jedoch eine Anstellung in Paris vor, sodass Litto nicht mit ihm, sondern mit dem langjährigen Freund Helmut Ketels auf der berühmtesten Bühne der Welt stand. Zurück in Deutschland trat die als „Pionierin des Fernsehtanzes“ bekannte Litto in den 1970er Jahren in fast allen bekannten Unterhaltungsshows des deutschen Fernsehens auf etwa in „Musik aus Studio B“, der „Peter-Alexander-Show“ sowie der „Starparade“. Aus Altersgründen verlagerte sie ihre Arbeit jedoch nach und nach mehr auf das Choreographieren als auf das Tanzen selbst. So choreographierten sie und Schmiedel sowohl Eis- als auch Fernsehtanzshows und leiteten das Hamburger Fernsehballett, das in vielen Shows des deutschen Fernsehens sehr gefragt war. Zu ihrer Heimat Höxter hatte Litto zeitlebens ein enges Verhältnis. Sie und ihr Mann hatten sogar geplant ihren Alterswohnsitz dort einzurichten, ein Plan, der jedoch durch den plötzlichen Tod Heinz Schmiedels 1979 durchkreuzt wurde. Er wurde im Familiengrab der Familie Litto in Höxter beigesetzt. Sein Tod setzte seiner Witwe stark zu, dennoch arbeitete sie noch einige Jahre als Choreographie-Assistentin weiter. Nachdem jedoch 1982 auch ihre Mutter und 1989 ihre Schwester gestorben waren, zog sie sich aus der Öffentlichkeit zurück. Ihre letzten Jahre wurden von Altersdemenz geprägt, die sie zwang in ein Seniorenheim zu ziehen, wo sie am 29. Oktober 1996 verstarb. Ihr Asche wurde im Familiengrab in Höxter beigesetzt.


Zur Person

Konfession: katholisch

Mutter: Wilhelmine Walter

Vater: Ludwig Litto

Geschwister: Johanna Mathilde Litto, Hans Ludwig Litto

Ehen: Heinz Elimar Erzinger (1945-1951), Heinz Schmiedel (1958-1979)

Quellen

Siebeck, Dieter (2005): „Die Dritte von rechts: Die Tänzerin und Schauspielerin Maria Litto (1919-1996)“. In: Die Warte e.V. Paderborn-Höxter (Hrsg.): die warte. Heimatzeitschrift für die Kreise Paderborn und Höxter. 66. Jahrgang / Nr. 126. Sommer 2005. S. 2-6.

Empfohlene Zitierweise

N.N.: Maria Therese Litto. In: Westfälische Biographien, hrsg. von Altertumsverein Paderborn und Verein für Geschichte Paderborn. Online-Ausgabe unter http://www.westfälische-biographien.de/biographien/person/2138 (Version vom 10.04.2019, abgerufen am 22.04.2019)

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