Westfälische Biographien




Prof. Dr. med. Hermann Oppenheim

Neurologe

✽ 01. Januar 1858 in Warburg
✝ 22. Mai 1919 in Berlin
Krematorium Berlin-Wilmersdorf

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Hermann Oppenheim wurde am Neujahrstag des Jahres 1858 in Warburg geboren. Seine Eltern waren der Lehrer und Rabbiner Juda Oppenheim und Cäcilie Oppenheim, geb. Steeg. Er erhielt zunächst Unterricht von seinem Vater in der jüdischen Elementarschule und wechselte dann auf das Gymnasium Marianum seiner Heimatstadt, dass er mit hervorragenden Noten abschloss. Aufgrund fehlender Aufstiegschancen, die jüdischen Bürgern durch Gesetzte verwehrt waren, entschloss Oppenheim sich gegen den Beruf des Lehrers und studierte stattdessen Medizin in Göttingen und Bonn. Sein Interesse lag dabei auf dem Gebiet der Physiologie und so promovierte 1881 er über die „Pathologie und Physiologie der Harnstoffausscheidung“, eine Arbeit, die preisgekrönt wurde. Sein größter Förderer während seiner Studienzeit war Nathan Zuntz, der Mitbegründer der Luftfahrtmedizin. Oppenheim absolvierte seine Assistenzzeit in der psychiatrischen Klinik Maison de Santé in Berlin, wobei ihn dieses Fachgebiet der Medizin nicht zu begeistern vermochte. Nachdem er zur Nervenklinik Berliner Charité gewechselt und Assistent von Carl Westphal geworden war, entdeckte er jedoch seine Leidenschaft für die Neurologie und habilitierte in mehreren kleinen Arbeiten zur Nervenpathologie. Er begann sich dafür einzusetzen, dass die Neurologie als eigenes Spezialfach in Deutschland anerkannt wurde, eine Aufgabe, für die er sich zeitlebens einsetzte. Außerdem war er einer der ersten Ärzte, die in einer „traumatische Neurose“ ein eigenständiges Krankheitsbild sahen. 1891 reichte er ein Gesuch beim Kultusminister ein, um als außerordentlicher Professor lehren zu können. Dieses wurde jedoch abgelehnt und so verließ er die Charité und gründete eine eigene Praxis. Das Geld dazu stammte teilweise aus der Mitgift seiner Frau Martha, geb. Oppenheimer, der Tochter eines erfolgreichen Pferdehändlers, die er im April 1891 geheiratet hatte. Ein Jahr später wurde der Sohn Hans geboren. Zwischen 1893 und 1901 war er als Privatdozent an der chirurgischen Universitätsklinik tätig und leistete dort Pionierarbeit in der präoperativen Lokalisierung von Hirntumoren, die chirurgische Eingriffe erleichterten, indem sie die Operationsfelder genau eingrenzten. Mit diesen Referenzen versuchte er 1901 erneut eine außerordentliche Professur zu erlangen, sein Gesuch blieb jedoch monatelang unbeantwortet. Daraufhin trat er 1902 aus der medizinischen Fakultät aus und forschte innerhalb seiner Privatpraxis weiter. Seine Entdeckungen und Ergebnisse veröffentlichte er in mehr als 200 Büchern und Aufsätzen, einige finden sich auch heute noch in der medizinischen Nomenklatur wie etwa das Oppenheim-Zeichen oder das Ziehen-Schwalbe-Oppenheim-Syndrom. 1907 traf sich die Gesellschaft deutscher Nervenärzte in Dresden, womit sein Wunsch nach einer selbstständigen neurologischen Vereinigung sich erfüllte. Oppenheim übernahm deren alleinigen Vorsitz von 1912-1916 und förderte viele innovative wissenschaftliche Entdeckungen. Während des Erstens Weltkriegs wurden auch seine Bemühungen um die Etablierung der Neurologie als eigenes Spezialgebiet der Medizin kurz in Form eines Nervenlazaretts von Erfolg gekrönt. In dieser Zeit geriet er aber aufgrund seiner von Kollegen kaum vertretenen Ansicht, dass es sich bei einer „traumatischen Neurose“ um ein organisch bedingtes Krankheitsbild handelt, in eine Außenseiterposition. Daraufhin trat er von seinem Posten als Vorsitzender der Gesellschaft zurück. Gesundheitlich angeschlagen musste er zum Ende des Ersten Weltkriegs auch seine praktische Arbeit als Mediziner niederlegen. Er verstarb am 22. Mai 1919 in Berlin und wurde nach seiner Einäscherung im September desselben Jahres beigesetzt. Seine Urne wurde 1938 umgebettet und zusammen mit der seiner Frau aufbewahrt. Martha Oppenheim hatte sich am 20. November 1938 aufgrund der drohenden Deportation in ein KZ das Leben genommen. Der Sohn der beiden, Hans Oppenheim, war bereits 1933 nach England emigriert.


Zur Person

Konfession: jüdisch

Mutter: Cäcilie Steeg

Vater: Juda Oppenheim

Geschwister: Amalie Herz (Stiefschwester)

Ehen: Martha Oppenheimer (Hochzeit 1891)

Kinder: Hans Oppenheim

Quellen

Pech, Anja (2007): „Hermann Oppenheim (1858-1919) aus Warburg, ein bedeutender Neurologe“. In: Die Warte e.V. Paderborn-Höxter (Hrsg.): die warte. Heimatzeitschrift für die Kreise Paderborn und Höxter. 68. Jahrgang / Nr. 136. Weihnachten 2007. S. 31-34.

Empfohlene Zitierweise

N.N.: Prof. Dr. med. Hermann Oppenheim. In: Westfälische Biographien, hrsg. von Altertumsverein Paderborn und Verein für Geschichte Paderborn. Online-Ausgabe unter http://www.westfälische-biographien.de/biographien/person/2157 (Version vom 15.05.2019, abgerufen am 19.07.2019)

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