Westfälische Biographien




Solomon Bibo

Kaufmann, Gouverneur

✽ 29. August 1853 in Brakel
✝ 1934 in San Francisco, USA

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Solomon Bibo wurde am 29. August 1853 in Brakel als sechstes von insgesamt elf Kindern des Kantors und Lehrers der jüdischen Gemeinde in Brakel, Isaac Bibo und seiner Frau Blümchen, geb. Rosenstein, geboren. Sein Großvater Lucas Rosenstein war, um der Militärpflicht unter Napoleon zu entgehen, 1812 mit einem Freund von Borgentreich nach Philadelphia geflohen, musste jedoch nach Deutschland zurückkehren, nachdem seine Frau sich weigerte ebenfalls dorthin zu ziehen. Er erzählte den Bibo-Kindern bei Besuchen in den Ferien stets von seiner Zeit in der Neuen Welt, was wohl einen großen Einfluss darauf hatte, dass alle elf während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dorthin auswanderten. Im Alter von 16 Jahren erreichte Solomon Bibo die Ostküste Amerikas bevor er zu seinen Brüdern in den Westen zog und eine Weile in ihren Geschäften mitarbeitete. Sein Ziel war jedoch das Gebiet der Acoma am Rio Grande. 1882 beantragte er eine offizielle Lizenz für den Handel mit den Acoma-Indianern und gründete ein Geschäft im alten Ort Acoma westlich von Albuquerque. Ebenso wie sein Bruder Simon lernte er verschiedene Indianersprachen und gewann das Vertrauen der amerikanischen Ureinwohner. Er trieb Handel mit ihnen und setzte sich für ihre Rechte ein, beispielsweise im Kampf um Land. Seine enge Verbindung zu ihnen zeigt sich auch darin, dass sie ihn 1885 zum Gouverneur des Acoma-Pueblos und damit zu ihrem Stammeshäuptling wählten, ein Amt, dass er für vier Perioden innehatte. Bibo heiratete Juana Valle, die Enkelin des vorherigen Stammeshäuptlings, und bekam mit ihr vier Töchter und zwei Söhne. Durch die Hochzeit gewann er noch mehr Einfluss. Während seiner Amtszeit als Gouverneur war es ihm wichtig für Schul- und Ausbildungsmöglichkeiten für die Acoma zu sorgen, wobei allerdings die indianischen Traditionen des Stammes ausgemerzt werden sollten, damit die Kinder es leichter in der Welt der Weißen hatten, was auf viel Kritik stieß. Da sich die Beziehung zwischen ihm und den Indianern also verschlechterte zog Bibo mit seiner Familie zunächst nach San Rafael und schließlich 1900 nach San Francisco, ohne jedoch seinen Besitz in New Mexiko aufzugeben. In Californien eröffnete er ein neues Geschäft und investierte in Immobilien. Allerdings schlossen ihn die Acoma 1920 aus ihrem Stamm aus, da er nicht mehr am Stammesleben teilnahm und entzogen ihm alle Weiderechte auf ihrem Land. Während der wirtschaftlichen Depression verlor Bibo schließlich alle Geschäfte in New Mexiko sowie seine Schafherde, die während eines Schneesturms in den Bergen umkam. Als er 1934 starb, hatte er nur noch Besitz in San Francisco.


Zur Person

Konfession: jüdisch

Mutter: Blümchen Rosenstein

Vater: Isaac Bibo

Geschwister: Leopold Bibo, Nathan Bibo, Simon Bibo, Lina Bibo, Salli Bibo, Rica Bibo, Joseph Bibo, Clara Bibo, Emil Bibo und Bendix Bibo

Ehen: Juana Valle

Kinder: vier Töchter und zwei Söhne

Quellen

Naarmann, Margit (2014): „Aufbruch in die Neue Welt: die Bibos aus Brakel“. In: Die Warte e.V. Paderborn-Höxter (Hrsg.): die warte. Heimatzeitschrift für die Kreise Paderborn und Höxter. 74. Jahrgang / Nr. 164. Weihnachten 2014. S. 11-14.

Empfohlene Zitierweise

N.N.: Solomon Bibo. In: Westfälische Biographien, hrsg. von Altertumsverein Paderborn und Verein für Geschichte Paderborn. Online-Ausgabe unter http://www.westfälische-biographien.de/biographien/person/2165 (Version vom 16.05.2019, abgerufen am 25.06.2019)

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