Westfälische Biographien




Walter Tobias

Schlosser

in Hamm an der Sieg
✝ 1945 in Theresienstadt

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Der Schlosser Walter Tobias stammte aus Hamm an der Sieg. Während der herrschenden Arbeitslosigkeit nach dem Ersten Weltkrieg suchte er vergeblich eine Arbeitsstelle in Köln und zog anschließend nach Haaren. Dort heiratete er 1931 Selma Bähr, die Tochter des Haarener Viehhändlers Hermann Bähr. Das Paar bezieht eine Wohnung in Haaren, doch auch hier findet Tobias keine Arbeit. Er hält seine Familie mit Gelegenheitsjobs über Wasser, ist jedoch ab 1933 auf Sozialhilfe angewiesen. Am 10. November 1938 wurden alle männlichen Juden Haarens nachmittags aus ihren bereits gekennzeichneten Häusern und Geschäften geholt und ins Spritzenhaus gesperrt. Zehn der Männer, unter ihnen Tobias und sein Schwiegervater Bähr, wurden noch am selben Abend nach Paderborn gebracht, während ihre Wohnungen und Geschäfte von Mitgliedern der SA verwüstet wurden. Von Paderborn aus wurden die Inhaftierten zunächst nach Bielefeld gebracht, von wo aus sie in das KZ Buchenwald deportiert wurden. Dort mussten sie zusammengepfercht und bei Kälte und Wassermangel in einem noch nicht fertiggestellten Nebenlager hausen. Nach seiner Rückkehr aus dem KZ und der Emigration ihrer Eltern 1939 bezog Tobias mit seiner Familie das Wohnhaus seiner Schwiegereltern. Im selben Jahr musste sein ältester Sohn Karl die öffentliche Schule verlassen. Zusammen mit seinem Bruder Erwin schickten die Eltern ihn und ab 1941 auch ihren Sohn Kurt daraufhin in das jüdische Waisenhaus in Paderborn, um dort zu leben und die Privatschule zu besuchen. 1940 wurde die Familie gezwungen ihr Haus aufzugeben und in das sogenannte Judenhaus des Ortes zu ziehen. Dort lebten sie mit vier weiteren Familien und drei Einzelpersonen, darunter dem Onkel seiner Frau, Phillip Bähr aus Etteln, zusammen. Anfang 1942 wurde es noch voller, da das Waisenhaus und die Schule in Paderborn geschlossen wurden und die Kinder Karl, Erwin und Kurt zurück nach Haaren kamen. Ihre verwaisten Schulkameraden wurden unterdessen nach Theresienstadt deportiert. Auch die Bewohner des Judenhauses wurden in zwei Transporten nach Riga oder Theresienstadt deportiert, nur Familie Tobias blieb übrig. Im Februar 1943 erhielten sie die Nachricht sich zur Deportation in Bielefeld einzufinden, von wo aus sie in Viehwaggons nach Auschwitz gebracht wurden. Dort wurden seine Frau Selma Bähr, die zu diesem Zeitpunkt ihr sechstes Kind erwartete, gemeinsam mit ihren fünf Kindern Karl-Heinz, Erwin, Kurt, Gerson und Zilla gleich nach der Ankunft ermordet. Tobias selbst überlebte in einem Arbeitskommando die nächsten zwei Jahre, bevor er wahrscheinlich auf einem „Todesmarsch“ in Theresienstadt umkam.


Zur Person

Konfession: jüdisch

Ehen: Selma Bähr (Hochzeit 1931)

Kinder: Karl-Heinz, Erwin, Kurt, Gerson und Zilla Tobias

Quellen

Wedekin, Jost (2007): „Verfolgt, vertrieben, vernichtet…“. In: Die Warte e.V. Paderborn-Höxter (Hrsg.): die warte. Heimatzeitschrift für die Kreise Paderborn und Höxter. 68. Jahrgang / Nr. 134. Sommer 2007. S. 10-12.

Empfohlene Zitierweise

N.N.: Walter Tobias. In: Westfälische Biographien, hrsg. von Altertumsverein Paderborn und Verein für Geschichte Paderborn. Online-Ausgabe unter http://www.westfälische-biographien.de/biographien/person/2176 (Version vom 19.06.2019, abgerufen am 19.07.2019)

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