Westfälische Biographien




Nicolaus Hesse

Kantonsbeamter, Landwirt

✽ 24. September 1794 in Lichtenau
✝ Dezember 1868

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Nicolaus Hesse wurde am 24. September 1794 in Lichtenau geboren. Sein Vater war der dortige Amtmann Henrich Hesse, seine Mutter dessen Ehefrau Elisabeth, geb. Krieger. Nach seiner Schulzeit diente er zunächst in der Königlich-Preußischen Armee und nahm auch an der Schlacht von Waterloo und den Befreiungskriegen teil, aus denen er als Offizier zurückkehrte. In der Heimat wurde das Verwaltungstalent des ehemaligen Soldaten von Westfalens Oberpräsidenten Ludwig Freiherr von Vincke entdeckt, der ihm eine Stelle als Kantonsbeamter im Kreis Warburg verschaffte. In dieser Position war er maßgeblich an der Beschaffung von staatlichen Hilfsmaßnahmen für die verarmten Kreise Warburg, Paderborn und Büren beteiligt. Am 27. Oktober 1821 heiratete Hesse die aus Neuhaus stammende Kaufmannstochter Maria Ferdinande Keine. Mit einem Abstand von jeweils zwei Jahren gingen aus der Ehe zunächst die sechs Töchter Natalie Charlotte Emilie (1822), Amalie (1824), Maria Sophia Caroline (1826), Bertha (1828), Laura Mathildis (1830) und Ferdinandina Friederica (1832) und schließlich der Sohn Victor Joseph August (1834) hervor. Die von Hesse beschafften Hilfsmaßnahmen griffen jedoch nur langsam, sodass er ständig von Hilfesuchenden aufgesucht wurde. Der berufliche Druck wurde zur gesundheitlichen Belastung, sodass er sich gepackt vom damaligen „Amerikafieber“ zur Auswanderung entschloss, um andere Lebenspläne zu verfolgen. Außerdem schien man ihn wegen seines Einsatzes für die ärmeren Bevölkerungsschichten revolutionärer Neigungen zu verdächtigen, was seinen Entschluss das Land zu verlassen weiter festigte. Er buchte für sich und seine Familie einen Platz auf der „Jefferson“, die Deutschland am 21. Mai 1835 verließ. Ein Familienmitglied mussten sie jedoch zurücklassen - im Januar desselben Jahres war der einzige Sohn Victor verstorben. Um der Familie bei dem harten Farmerleben, das sie erwartete, zu unterstützen, fuhr jedoch Hesses älterer Bruder Joannes mit ihnen. Hesse und seine Familie gehörten zu den ersten Siedlern, die sich 1835 im „Osage Country“ in Missouri niederlassen und den Ort New Westphalia gründeten. Hier wurde auch der zweite Sohn der Familie geboren, doch die Familie konnte sich nicht an die neuen Bedingungen anpassen, die hauptsächlich aus ihnen unbekannten Entbehrungen und harter körperlicher Arbeit bestanden. Besonders seine Frau konnte sich nicht an das neue Leben in Amerika gewöhnen und litt unter starkem Heimweh, das sich zu einer lebensbedrohlichen Krankheit entwickelte. Deshalb entschloss sich Hesse mit ihr und den Kindern nur zwei Jahre nach ihrer Ankunft in Westphalia nach Deutschland zurückzukehren. Doch auch die Rückreise brachte kein Glück. Zunächst starb Hesses Bruder Joannes in St. Louis an einem Fieber. Dann verschlechterte sich der Zustand seiner Frau so sehr, dass sie dem Tode nahe war und man vier Wochen in St. Louis bleiben musste, bevor sie reisefähig, aber zu schwach zum Laufen war, sodass ihr Mann sie von einem Fortbewegungsmittel zum nächsten tragen musste. Und letztendlich mussten sie wieder einen Sohn zurücklassen, der jüngste Sohn erkrankte und wurde am 01. Juni 1837 in Philadelphia beerdigt. Zurück in der Heimat veröffentlichte Hesse 1838 ein Buch über seine Erlebnisse jenseits des „großen Teichs“. Es unterschied sich maßgeblich von den anderen Schriften dieses Themas, die ausschließlich die Vorzüge einer Auswanderung beschrieben, während Hesse das Thema differenzierter beleuchtete. Durch seine guten Kontakte erhielt er schnell wieder eine Anstellung als Beamter und arbeitete vier Jahre lang als Rentmeister des Freiherrn zu Fürstenberg. Dann wechselte er nach Brilon, wo er bis zu seinem Ruhestand Mitte 1865 als Bürgermeister tätig war und die Entwicklung der Stadt förderte. Doch das war noch nicht das Ende seines Aufstiegs, 1848 wurde er Mitglied der preußischen Nationalversammlung, 1849-1852 Mitglied der Zweiten Kammer des Preußischen Landtags. Dort verteidigte er entschieden die konstitutionelle Monarchie. Hesse verstarb Ende Dezember 1868.


Zur Person

Konfession: katholisch

Mutter: Elisabeth Krieger

Vater: Henrich Hesse

Geschwister: Joannes Hesse

Ehen: Maria Ferdinande Keine (Hochzeit am 27. Oktober 1821)

Kinder: Natalie Charlotte Emilie, Amalie, Maria Sophia Caroline, Bertha, Laura Mathildis, Ferdinandina Friederica, Victor Joseph August und ein weiterer Sohn

Quellen

Stüken, Wolfgang (2007): „Der fast vergessene Pionier von Westphalia“. In: Die Warte e.V. Paderborn-Höxter (Hrsg.): die warte. Heimatzeitschrift für die Kreise Paderborn und Höxter. 68. Jahrgang / Nr. 135. Herbst 2007. S. 23-30.

Empfohlene Zitierweise

N.N.: Nicolaus Hesse. In: Westfälische Biographien, hrsg. von Altertumsverein Paderborn und Verein für Geschichte Paderborn. Online-Ausgabe unter http://www.westfälische-biographien.de/biographien/person/2189 (Version vom 18.07.2019, abgerufen am 22.10.2021)

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